3. SONNTAG IM JAHRESKREIS

 

Evangelium nach Matthäus (4, 12-23)

 

Ich stelle mir vor: Jesus übersiedelt, nicht in den 1. Bezirk, sondern über die Donau und er spricht zu uns, nicht im Stephansdom, sondern in einem einfachen Gebetshaus, in einer Kirche in der Großfeldsiedlung. Und da sagt er zu uns: „Ändert euch! Ihr sollt umdenken! Ihr sollt auch vielleicht eure Lebensweise ändern!“ Warum sollte ich das tun? Ich bin im Großen und Ganzen mit meinem Leben zufrieden. Ich habe eine Wohnung, oder sogar ein Haus. Ich habe Arbeit, Familie. Es geht mir nicht schlecht. Ich kann mir hier und dort etwas leisten und sogar auf Urlaub fahren. Warum soll ich mich ändern, umdenken? Was will dieser Jesus von mir?

 

Er sagt: „Gott will zu dir kommen. Er will bei dir, in deinem Leben, spürbar anwesend sein.“ Und da denk ich mir: „Ich glaube doch an Gott? Ich bin getauft, bin Christ. Ich gehe sogar in die Kirche. Was will Jesus noch mehr?“ Und ich beginne zu grübeln. Auch damals sprach Jesus zu Menschen in ihren Gebetshäusern/Synagogen. Auch sie glaubten an Gott. Und trotzdem sollten sie sich ändern und umdenken? Soll ich mich ändern?

 

Und ich überlege: Welche Rolle spielt Gott wirklich in meinem Leben? Habe ich wirklich das Gefühl, dass er da ist? Rechne ich immer mit ihm oder ist er oft nur im Hintergrund da, weil ich immer sehr stark mit anderen Dingen beschäftigt bin, die mir ganz wichtig sind, mich beschlagnahmen, so dass ich für Gott „keine Zeit“ habe? Dinge, um die mein ganzes Denken und Fühlen, mein Bemühen und Tun kreist, so dass für Gott dann nicht mehr viel übrigbleibt? Gott, wo bist du? Bist du wirklich die treibende Kraft in meinem Leben? Versuche ich wirklich mit der Lebenseinstellung von Jesus zu leben, zu handeln? Versuche ich wirklich ganz bewusst, tagaus tagein, in Verbindung mit dir, Gott, mein Leben zu gestalten? Was ist in meiner Lebenspraxis wichtig? Wofür lebe ich?

 

Jesus spricht zu uns, zu mir. Er lädt uns sogar ein, an der Verbreitung des Glaubens an Gott unter den Menschen mitzumachen. Jesus sucht sich dafür keine Experten aus, keine Hochgebildeten, sondern einfache Fischer. Menschen, die mitten im Leben stehen und arbeiten. Jesus übt eine starke Anziehungskraft auf sie aus. Sie sind von ihm fasziniert, fühlen sich innerlich gedrängt mit ihm mitzumachen, ohne „Wenn und Aber“. Sie sind sogar bereit dafür neue, unbekannte Wege zu gehen. Sie denken um, ändern ihre Lebensweise. Und sie wollen Menschen für Jesus und für Gott gewinnen.

 

Ich frage mich: Spüre ich ein ähnliches Verlangen? Bringen die Worte von Jesus mich wirklich in Bewegung? Oder zögere ich irgendwie auf die Einladung von Jesus einzugehen, mich ganz auf Gott einzulassen, aus heimlicher Angst als Mensch zu kurz zu kommen, auf einiges in diesem Leben verzichten zu müssen, mich nicht so verwirklichen zu können, wie ich mir das vorstelle?

 

Jesus spricht heute und hier zu mir: „Willst du dich Gott zuwenden, dich auf eine immer tiefere Beziehung zu ihm einlassen, ihn als den Herrn deines Lebens anerkennen und mit ihm verbunden bleiben? Gott ist nahe. Er will zu dir kommen. Mache ihm Platz in deinem Leben. Öffne ihm deine Türen. Ändere dein Denken, deine Gewohnheiten, damit er zu dir kommen kann.“

 

Und ich denke mir: Wie kann ich das? Was muss ich dann tun? Eines ist klar: Ich muss mich an Jesus halten, bei ihm in die Schule gehen, immer mehr mit ihm vertraut werden und ihn verstehen lernen. Hat Jesus nicht auch gesagt: „Niemand kommt, findet zum Vater, außer durch mich“? Das sagt er auch zu mir. Lasse ich mich von ihm mitreißen?

 

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